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Theater - "Jackpot-Charlie - der Lottomillionär"
(Artikel des Ried-Echo vom 9.11.2010)

Eine Frage des Gewissens: Arm oder allein?

Theater: Die Laienspielgruppe Erfelden zeigt das Stück »Jackpot-Charlie« - Nächste Vorstellung am Freitag

Am Wochenende wurde in Erfelden der 50 Millionen Euro schwere Jackpot geknackt. Glücklicher Gewinner ist der Schichtführer Karl Schmidt. Dies erfuhren die rund 150 Zuschauer, die sich die komische Tragödie »Jackpot-Charlie« ansahen. Die Laienspielgruppe Erfelden unter der Regie von Uwe Ried hatte dazu eingeladen.

Die Geschichte: Schichtführer Karl Schmidt (gespielt von Peter Bert) feiert seinen 50. Geburtstag und bekommt von seinem Neffen (Tim Darmstädter) einen Lottoschein geschenkt. Die Geburtstagsgäste: Karls Bruder August (Gerd Darmstädter), dessen Frau Petra (Pia Wilcke), Karls Frau Maria (Walli Dannenberg), die gemeinsame Tochter Andrea (Melanie Perlitz) und der Opa (Reiner Löwer). Alle feiern ausgelassen.

Die Stimmung und der Alkoholkonsum steigen, als auch noch der um Anstand bedachte Pfarrer (Helmut Elsinger), der fahrige Feuerwehrkommandant (Tanja Küster) und - in betont strammer Haltung - der Vorsitzende der Bundeswehrveteranen (Horst Bauer) dazustoßen. Der Trubel nimmt zu, als ein regionales Fernsehteam (Kameramann Ulrich Borchard und Reporterin Bärbel Keil) den runden Geburtstag des engagierten und angesehenen Bürgers Karl übertragen wollen: Jeder versucht nun, bildfüllend und in ausgewählter Grazie im Fernsehen zu erscheinen. Die allgemeine Anstrengung und der Alkoholkonsum tragen letztendlich dazu bei, dass Schichtführer Karl Schmidt am Tisch einschläft.

Als er gegen Mitternacht, nachdem ihn die Gäste verlassen haben, wieder aufwacht, hört er im Radio, dass er mit seinem Lottoschein den Hauptgewinn gezogen habe. Dem bisher auf dem Sofa dösenden Opa ist sein Flachmann jetzt Nebensache, denn er erkennt sofort seine Chance: »Ich werde dein Manager.« Gesagt, getan. Auch Karl, zum Jackpot-Charlie gewandelt, hat mittlerweile Schlabberhemd und ausgeleierte Hosen gegen einen blauseidenen Hausmantel und Seidenschal getauscht und genießt Sekt statt Fusel.

Er lässt es so richtig krachen - und genießt wohl noch mehr: Denn aus seiner Jacketttasche holt Ehefrau Maria ein Hochglanzfoto mit Grüßen von einer ihr unbekannten Frau (Bianca Mehl). Es kommt zum handfesten Krach und anschließenden Zerwürfnis mit Maria und auch mit der aufmüpfigen Tochter.

Karl schmeißt auch seine Freunde raus, als die für die Renovierung des Kirchturms oder für ein neues Rettungsgerät ein paar tausend Euro vom Lottogewinn haben wollen. Der Lottomillionär demonstriert in weit überzogenem Maß, »wer hier Herr im Hause ist«. Als er auch noch den Freund von Andrea (Jürgen Alka) wegen dessen flegelhaften Benehmens rausschmeißt und der Opa sauer ist und geht, wird es einsam um Jackpot-Charlie. Die hochbeinige Freundin, die plötzlich erscheint, muntert Charlie zwar wieder auf. Doch nur vorrübergehend, denn sie hat keine guten Absichten.

Die vermeintliche Rettung kommt in Gestalt eines übersinnlichen Wesens: Charlies Gewissen (Lotti Borchard) stellt ihn vor die Entscheidung, das Geld herzugeben oder für immer allein zu bleiben. »Lieber bleibe ich allein«, sind Jackpot-Charlies letzte Worte, ehe der Vorhang fällt.

Als jedoch das Publikum zum Schlussapplaus ansetzen will, da öffnet sich der Vorhang erneut zu einer unerwarteten Wendung. . .

Das äußerst amüsierte Publikum im ausverkauften Saal hat die etwa zweistündige Premiere mit viel Zwischenapplaus und zustimmendem Gelächter aufgenommen. Besonders die in Riedstädter Mundart vorgetragenen, hintergründigen Zwischenbemerkungen kamen gut rüber. Der starke Schlussapplaus beeindruckte die Akteure sichtlich.

Die nächsten Vorstellungen sind am Freitag (12.) und Samstag (13.) jeweils um 19.30 Uhr in der Altrheinschänke. Einige Restkarten gibt es noch im Schreibwarengeschäft Konrad und an der Abendkasse.