Start
Liebe Leser
Termine
Gottesdienste
Kerschgaadefest
Konfirmation
Jungschar
Jugend
Frühstückscafe
Frauenkreis
Bastelkreis
Orgel
Flötenkreise
Ökumene-Chor
Kirchenvorstand
Küster
Besuchsdienst
Theater
Kirchturm
Gemeindehaus
was ich noch...
Monatsspruch
Kontakte
Links
Liebe Leser

Liebe Leserinnen und Leser!

Haben Sie heute mal wieder versucht, den an Sie gestellten Ansprüchen gerecht zu werden? Ja? Und, waren Sie erfolgreich? Konnten Sie alle Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit aller erledigen?

Das ist so eine Sache mit den Ansprüchen. Ich kenne mich da aus. Als Anwältin hat man von Berufs wegen mit Ansprüchen zu tun: „Herr Schneider, natürlich haben Sie einen Anspruch auf Zahlung.“ „Frau Meyer, wenn Sie Ihre Ansprüche durchsetzen wollen, sollten wir Klage erheben.“

Wir alle sind stets einer Unmenge von Ansprüchen ausgesetzt. Das müssen oft gar nicht so große, wesentliche Ansprüche sein, wie sie vielleicht in Gerichtsverfahren geltend gemacht werden. In der Überzahl sind die vermeintlich kleinen, nahezu unwichtig erscheinenden Ansprüche: Geburtstagsanrufe tätigen, Müll rausbringen, trotz schlechter Laune die Verkäuferin freundlich um die Frühstücksbrötchen bitten, nach dem Wochenende Montag morgens aufstehen und zur Arbeit fahren, noch schnell ein bisschen Sport, der Garten braucht auch mal wieder Wasser…

Aber was passiert eigentlich, wenn es auf einmal zuviele Ansprüche werden, wenn ich es nicht mehr schaffe, allen Ansprüchen gerecht zu werden? Was ist, wenn ich im wahrsten Sinne des Wortes überbeansprucht werde?

Wenn wir unserem Körper zu viel zumuten, wenn wir unsere Knochen überbeanspruchen, kann es zu einem Belastungsbruch kommen. Dann ist der Knochen erst mal hin, wir bekommen einen Gips und der Knochen seine Ruhe. Und wenn wir ein elektrisches Haushaltsgerät überbeanspruchen, dann fängt es an nach verbrannten Kunststoff zu stinken, es qualmt und die Sicherung fliegt raus.

Aber was passiert, wenn meine Seele überbeansprucht wird? Kann eine Seele brechen, so wie es der überbeanspruchte Knochen tut? Und woran erkenne ich das? Knackt es dann laut und durchzieht mich ein stechender Schmerz? Oder fange ich an zu qualmen und zu stinken wie ein überbeanspruchtes Elektrogerät? Wohl kaum. Dass mir dann eine Sicherung rausfliegt ist schon eher möglich. Insgesamt scheint es aber gar nicht so einfach zu sein zu bemerken, wenn unsere Seele vor lauter Beanspruchung einen Knacks abbekommt.

Was also können wir tun? Sicher: wir können mehr auf uns achten, in uns hineinhorchen, uns klarmachen, dass wir nicht allen Ansprüchen gerecht werden müssen. Aber bevor wir uns dem Selbstmitleid ergeben, sollten wir vielleicht auch einen Augenblick darüber nachdenken, wie oft wir als „Anspruchsteller“ auftreten. Wie oft sorgen wir eigentlich dafür, dass andere an die Grenze dessen gelangen, was sie leisten können? Überlegen wir doch mal kurz: haben wir nicht neulich erst von einem alten Freund erwartet, dass er an uns denkt und sich mal wieder meldet? Oder gestern, da hätte unser Chef sich auch wirlich mal für unseren Einsatz bedanken können. Wie oft geben wir unseren Mitmenschen das Gefühl, mal wieder einem Anspruch nicht gerecht geworden zu sein? Mussten wir den Mitarbeiter der Zulassungsstelle mal wieder erst anmotzen, damit alles so läuft, wie wir uns das vorstellten? Und diese junge Mädchen, das an der Ampel ihr Auto abgewürgt hat, das musste sicherlich erstmal angehupt werden.

Schon der Apostel Paulus hat diesen Zusammenhang erkannt, als er den Galatern riet: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6, 2).

Wie Sie sehen, sollten wir nicht nur auf uns selber Acht geben. Wir sind gewissermaßen auch für die Beanspruchung unserer Mitmenschen verantwortlich. „Das ist doch aber schon wieder ein Anspruch“ mag man jetzt entgegnen. Das ist richtig - zu einem gewissen Grad enthält diese Logik einen Zirkelschluss.

Doch wo liegt er dann, der Ausgang aus diesem Kreislauf des „Ansprüche stellens“ und „Ansprüche erfüllens“?

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“ fordert uns Jesus auf (Matthäus 11,28).

Das ist doch mal eine Ansage: Da ist er also, der Ort, wo wir uns vor den Ansprüchen dieser Welt hinflüchten können. Bei Gott müssen wir keinen Ansprüchen gerecht werden, wir können zu ihm kommen, wie wir sind. Auch wenn wir schlecht gelaunt, verkatert und müde sind oder zum Jauchzen aufgelegt und mit einem Lächeln im Gesicht. Ihm ist das egal. Und durch seinen Sohn Jesus Christus verspricht er uns, uns zu „erquicken“: uns wieder aufzubauen, zu entlasten, uns zu ermutigen, unserer Seele mal die verdiente Ruhepause zu verschaffen.

Ein wunderschönes Lied bringt das wie folgt auf den Punkt:

„Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet!“

Eure/Ihre Sonja Hilge

Vorsitzende des Kirchenvorstands